Biographien | Story-Outlines

Saison II (2010/2011) 

Anja Kusturica

Anja KusturicaKurzbiographie: Schon immer begleiten sie mich – Geschichten. In allen Formen und Varianten waren sie mir stets treue Gefährten, Lehrer, Beschützer und Freunde. Unzählige Kinderbücher fanden ihren Weg zu meinem Ohr durch die sanfte Stimme meiner Mutter, während mein Vater, zwischen Mittagsschlaf und Abendschicht, den Helden seiner Kindheit leben einhauchte und mit versteller Stimme Abenteuer von Robin Hood und Winnetou zum besten gab. Atemlos war das Zuhören. Irgendwann merkt man dann, dass man selbst eine Geschichte lebt. Meine hat ihren Ursprung im Sarajevo der 80er Jahre und führte mich ’92 durch eine Wendung, die allen den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, nach Wien. Hier lebe ich nun mitten in meiner Story und gestalte sie, betrachte sie, versuche meist, sie zu beeinflussen und lebe mit ihrer manchmal eigenwilligen Dramaturgie. Was dabei herauskommt, sind immer wieder neue Geschichten verschiedener Menschen, unerwartete Verstrickungen und Überraschungsmomente. Wobei, am meisten liegen mir die Perlen des Alltags am Herzen – wenn man sie denn erkennt.
Seit 2006 studiere ich Architektur an der TU Wien. Aber jetzt schreibe ich auch und ich liebe es.

Anjas Geschichte "KAKTUSSE"

„Kaktusse“ ist die Geschichte von Oliver, einem neunjährigen Jungen, und den zwei Wirklichkeiten, die ihn umgeben. Sein reales Leben zwingt den Jungen, sich bis in die Abendstunden allein zu beschäftigen, denn sein Vater arbeitet viel und ist alleinerziehend. Doch jene Welt, die Oliver sich in seiner Phantasie erschaffen hat, erfüllt diese Zeit und lässt jeden Tag zu einem neuen Abenteuer werden. Mit seinen fiktiven Freunden, einer verzerrten Version der übrigen Hausbewohner, vollführt er ruhmreiche Heldentaten und befindet sich gerade jetzt inmitten ihrer gefährlichsten und spannendsten Mission als eine neue Person das Geschehen betritt – der Maler Gustav Lind richtet in jenem Haus sein Atelier ein. Sowohl Abenteuer, als auch Fortbestehen Olivers gesamter fantastischer Welt scheinen in Gefahr, denn der Maler bezieht ausgerechnet jenen, leerstehenden Hausanbau, den Oliver zu seinem Schloss erkoren hatte. Der Junge setzt alle Hebel in Bewegung, um Kontrolle über die Situation zu erlangen und am Ende sein Reich zurückzuerobern. Dabei kreuzen sich Olivers Wege mit jenen des Malers und der anfängliche Bösewicht beginnt, das Interesse des Jungen in vorher ungeahnter Weise zu wecken.

Arman T. Riahi

Arman T. RiahiKurzbiographie: Batman, Jules Verne, Spiel mir das Lied vom Tod, Knight Rider, Beatles, Chaplin und die nackten Brüste auf der Seite 5 der Kronen Zeitung. Wenn ich aufzählen müsste, welche Schriftsteller, Filme und sonstige Perlen der Popkultur mich als Kind wohl am Stärksten beeinflusst haben, dann ist diese Liste mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Als Kind politischer Flüchtlinge, die gezwungen waren, ihr gesamtes Leben hinter sich lassen, und denen nur die kostbaren Erinnerungen an dieses Leben geblieben waren, war ich hier in Europa einer Vielfalt an Geschichten aus unterschiedlichsten Medien ausgesetzt. Bruce Wayne war für mich stets der menschlichste und tragischste Superheld; Jules Verne brachte mich in die Untiefen des Meeres, als ich wiedermal am deppeneinfachen Bruchrechnen gescheitert bin; und das Bild des Jungen, der seinen am Galgen hängenden Bruder auf den Schultern trägt, und dabei gleichzeitig Mundharmonika spielen musste, brannte sich genauso in mein Hirn wie die kaukasischen Busenpaare in der Kronen Zeitung, denen ich mich regelmäßig unter dem Küchentisch widmete. Über Knight Rider, Charles Chaplin und den Beatles muss wohl nichts mehr gesagt werden, alle drei unbezahlbares Kulturgut, sowohl für mich, als auch für die gesamte Menschheit. Sie alle haben etwas gemeinsam: Für mich erzählten sie Geschichten, die mich faszinierten. Okay, die Busen in der Kronen Zeitung waren in erster Linie schön anzusehen, aber auch sie erzählten eine Geschichte, wenn auch eine etwas ordinäre, wenn man gerade mal 5 Jahre alt ist. Bis heute bin ich den Geschichten hoffnungslos verfallen. Ja, auch den Busen, aber in erster Linie den Geschichten. Früh habe ich begonnen, selbst zu schreiben, selbst zu schneiden, selbst Geschichten jeglicher Art zu erzählen, Wissen zu vermitteln, zu berühren und zu unterhalten. Von meinen ersten Aufsätzen in der Schule, den ersten Kurzfilmschnitt im Freifach Medienkunde, über meine erste Fernsehregie, mein erstes Dokumentarfilmkonzept bis hin zu meinem ersten Kinofilm. So lange ich Geschichten erzählen, hören, sehen und am eigenen Leibe erfahren kann, bin ich immer noch der kleine Junge, der gespannt den Ausführungen Jules Vernes lauscht, der mit Chaplin weint und mit Michael Knight mitfiebert. Ja, und auch der kleine Junge der sich unter dem Küchentisch an den Busen ergötzt.

Armans Geschichte "Die Endzeitlosen"

Der schüchterne Wiener Kellner Momo erwartet seine Beförderung zum Barchef, als sich eine lebensbedrohliche Naturkatastrophe ankündigt.  
Während sein bester Freund Ogi bereit ist, sein altes Leben hinter sich zu lassen, kämpft Momo um seinen Job und seine Beziehung mit Sandra.
Als er schließlich beides verliert, beginnt Momo gemeinsam mit Ogi gegen die Konventionen des eigenen Lebens und der Gesellschaft zu rebellieren.
Was für die beiden Freunde als Trotzreaktion gegen den drohenden Untergang beginnt, entwickelt sich rasant zu einer gesellschaftlichen Bewegung.
Von neuer Lebenslust beflügelt flüchtet sich Momo in den Protest, während Ogi erkennen muss, dass das alte Leben mehr war als nur Ballast...

Burcu Özalp

"Karadiki Balik - Der Fisch am Boden"

Der Name des Films bezeichnet den Zustand des Hauptcharakters Umut, der sich auf der Suche nach einem erfüllten Leben oft Fehl am Platz fühlt – wie ein Fisch an Land. Umut, ein junger Mann aus einer Uferkleinstadt in der Türkei zieht nach Wien, um dort zu studieren. Im Laufe der Zeit wechselt er seine Studienrichtung, macht Gelegenheitsjobs und interessiert sich für Kunst. Trotz all seiner kulturellen und sozialen Bemühungen fühlt er sich in der Stadt noch immer fremd, wo er seit fast einem Jahrzehnt lebt. Auch seine Begegnung mit einer jungen türkischen Opernsängerin, die bald zu einer intensiven, aber instabilen Beziehung führt, ändert nicht viel daran. Daraufhin kehrt er in sein Land zurück. In Istanbul, wo er sich ebenfalls fremd fühlt, lernt er einen Griechen kennen, mit dem er sich am besten versteht und eine produktive Freundschaft schließt. Doch als dieser in einem tragischen Unfall umkommt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu seiner Familie zu ziehen. In der Ort Karabiga (Priapos), die vor Jahrtausenden von eine antiken Hochkultur beheimatet hat, gibt es für Umut so Einiges zu verarbeiten.

Clara Trischler

Clara TrischlerKurzbiographie: Nach einigen Jahren in Kenia und Bangladesch als politische Flüchtlinge nach dem Einmarsch der Russen landete die slowakische Kleinfamilie meiner Mutter im Österreich der späten Siebziger Jahre. Dort gründete sie mit meinem Vater und einigen Studentenfreunden eine Art semi-kommunales Gemeinschaftswohnprojekt. Zu meinen ersten Erinnerungen gehören viel durch Stiegenhäuser geschleifte Bettwäsche, um bei Freunden zu schlafen, überschwemmbare Sandkisten voll nackter Kinder, der Kompost, Mandelbäume und Baumhäuser.

Um sich Geschichten auszudenken, dachte ich früh, müsse man intensiver, mehr als ein Leben auf einmal leben, nachsehen, wie Menschen auf anderen Teilen der Welt miteinander umgehen, oder mit Problemen, die Dinge benennen, Musik hören, ihre Zeit füllen, kochen. Erste Zugreisen durch Europa finanzierte ich mir etwa als Testperson für eine Impfstudie zu Japanischer Gehirnhautentzündung und entdeckte dabei unbekannte Straßen, ungelernte Sprachen und dass Menschen, denen man nur kurz begegnet, oft erzählbereit und dabei ungewöhnlich ehrlich sind.

Als ich nach Israel zog, um dort Biographien von Toten der Shoah zu rekonstruieren,
begann ich nach Ausbruch der Invasion auf Gaza 2009 meine journalistische Korrespondenz über das Alltagsleben in Israel, wo ich während meines Studiums an der Filmakademie auch meinen letzten Dokumentarfilm gedreht habe. In Israel entdeckte ich mein Interesse für Grenzgebiete und den Einfluss äußerer Umstände auf unsere persönlichen Geschichten und Freiheiten. Wie unsere Leben aussehen würden, wenn Beliebigkeiten anders gelaufen wären, etwa die Russen nicht in die Slowakei einmarschiert wären.

Claras Geschichte "Balaton Tandem"

Der ostdeutsche Len und seine Tochter Lilja verbringen ihre Sommer Ende der 80er Jahre am ungarischen Plattensee. Durch Kiwis, englischsprachige Musik und den österreichischen Theo fühlen sich diese Wochen an, als lebten sie in dieser Zeit im Westen.

Allsommerlich treffen Liljas und Theos Familie einander über die Jahre hinweg. Die Ehe des vom Kommunismus überzeugten Len mit Liljas Mutter zerbricht an ihrer Vorstellung von einem Mehr auf der anderen Seite der Mauer. Vor der Kulisse von Nachtschwimmen, ersten Malen und Überlegungen über die Überquerung der Grenze in einem Kofferraum nähern sich Lilja und Theo an. Eine sommerliche Utopie spannt sich, die sich während des Jahres, an ihren eigentlichen Lebensorten nicht leben ließe. Familien zerfallen und entstehen, die Lichterketten auf den Kirtagen des Urlaubssees leuchten nostalgisch, manche suchen Sinn in dem System, in dem sie leben und die jungen Aufwachsenden müssen sich für eines der möglichen Leben entscheiden. Jedes Jahr verabschieden sie sich wieder, bis Theo eines sommers nicht kommt. Viele Jahre später treffen sich Lilja und Theo in Berlin.

Balaton Tandem ist eine Geschichte über die Frage, wo man hingehört und die Entscheidung für eines von mehreren möglichen Leben in zwei scheinbar sehr unterschiedlichen Welten.

Elena Tikhonova / Robert Buchschwenter

Elena TikhonovaElena Tikhonova

Kurzbiographie:
Ich kam in einem Land zur Welt, das es nicht mehr gibt, der UdSSR, in einer Stadt, die es damals schon nicht gab, denn offiziell war ihre Existenz geheim. Sie wurde ominös ‚Moskau 23’ genannt, doch eigentlich hieß sie Obninsk, die ‚Stadt des friedlichen Atoms’. Hier, im ersten Atomkraftwerk der Welt, arbeitete mein Vater, dessen Existenz offiziell geheim war, als Kernphysiker, und im Institut nebenan meine Mutter, deren Existenz ebenfalls offiziell geheim war, als Chemikerin, die sich mit Entwicklungen für die Raumfahrtindustrie beschäftigte und mitunter ein Spezialglas für Flüssigkristallbildschirme erfand, für dessen Patent sich die Japaner später die Köpfe einschlagen sollen. Doch dank Kommunismus wurde sie davon nicht steinreich. Leider.
Meine Kindheit verbrachte ich damit, aus Thermo-Isolationsfließen des sowjetischen space shuttles ‚Buran’ Häuschen für meine Puppen zu bauen, fernzusehen und alles, was ich erlebte, in mein Tagebuch zu schreiben, dessen Existenz mindestens genauso geheim war wie alles andere in dieser Stadt.
Nach dem Schulabschluss war mir mein weiterer Weg völlig klar. Ich wollte von den seltsamen Begebenheiten und Menschen, die mich umgaben, erzählen- ich wollte Filme machen! Also bewarb ich mich 1997 an der Moskauer Universität für Kinematographie, kurz VGIK, um Regie zu studieren. Bei der Aufnahmeprüfung traf ich zufällig einen Bekannten, der zu mir sagte: ‚Wozu Regie, viel zu trocken, die Kameraleute haben hier viel mehr Möglichkeiten, das Handwerk in der Praxis zu erlernen. Da kannst du deine eigenen Geschichten gleich umsetzten.’ Also inskribierte ich, um Regisseur zu werden, an der Fakultät für Kamera. Ich drehte einige Experimental- und Dokumentarfilme, die auch auf diversen Festivals liefen. Und ich lernte meinen zukünftigen Mann kennen, Dominik Spritzendorfer aus Wien. Heuer sind wir elf Jahre verheiratet und haben zwei Kinder.
Dafür, dass ich anfangs nicht mehr Deutsch konnte als ‚Hände hoch’ und ‚Hitler kaputt’ (die einzigen zwei Brocken deutsch, die wirklich jeder Russe beherrscht) hat mich Österreich wirklich sehr gut aufgenommen. Ich lernte die bezaubernde Landschaft zu lieben, den geregelten und ausgewogenen Lebensstil zu schätzen und mich mit meinen etwas karikaturhaften Nachbarn zu arrangieren. Bald wurde mir klar, dass ich nicht die einzige Russin war, die hier ‚gestrandet’ ist, die Gründe dafür waren vielfältig, meistens aber steckte eine Liebesgeschichte dahinter. Das lustige ist, dass man im Ausland mit Landsleuten zusammenkommt, denen man in der Heimat wahrscheinlich nie über den Weg gelaufen wäre. Zu unterschiedlich sind da oft soziale Herkunft, Umfeld, Interessen. In der Fremde hat man dann zumindest ein gemeinsames Schicksal. Das eröffnet neue Perspektiven.
Nun bereite ich mich auf den nächsten Schritt vor, mein Spielfilmdebüt. Und wovon sollte dieser Film sonst handeln als von dem, was mir am nächsten und vertrautesten ist- meinem Leben. So entstand die vorerst noch relativ vage Idee zu ‚Kaviar’, die mithilfe der sehr professionellen Unterstützung bei ‚Diverse Geschichten’ in Wien und ‚Babylon’ in Rotterdam weiter entwickelt wurde. Mit Robert Buchschwenter fand ich den perfekten Co-Autor, der gemeinsam mit mir die letzten Mysterien einer österreichisch-russischen Seelen-Fusion zu ergründen versucht.

Außerdem trete ich als VJane ‚friedliches Atom’ mit unterschiedlichen Künstlern auf (u.a. Shantel, B. Fleischmann, Sainkho, Vanille Putin) und arbeite zurzeit gemeinsam mit meinem Mann an der Kinodoku ‚Elektro Moskva’.

Robert BuchschenterRobert Buchschenter

Kurzbiographie:
Geboren bin ich auf einem Bergbauernhof in Südtirol. Ich erinnere mich, dass es steil war. Und dass ich die ganze Zeit genießt hab. Der einzige Sohn hatte also Heuschnupfen und war als Hof-Erbe absolut unbrauchbar. Dafür war er in der Schule brauchbar. Singen konnte er besonders gut. Schreiben auch. Sogar Rechnen.
Dass ich Rechnen konnte, hat mir irgendwann später einen Job als Mathematik-Lehrer eingebracht. Das war ungefähr zu der Zeit, als ich mein erstes Studium abbrach und Film studieren wollte. Ob ich zu faul war, eine Bewerbungsmappe zusammenzustellen oder zu feige, weiß ich nicht mehr so genau. Was ich stattdessen studiert hab, ist nicht so wichtig. Aber es war Geschichte und Philosophie und ziemlich inspirierend. Wichtig war damals, dass ich nach Wien kam. Da waren die Wohnungen so schön hoch. Dass die Winter so unschön grau waren, hab ich am Anfang ignoriert. Irgendwann nicht mehr. Der Vorteil von diesen grauen Wintern ist, dass man es irgendwann nicht mehr aushält. Dann muss man irgendwohin fahren, wo es warm und sonnig ist – und dort kann man dann in Ruhe Geschichten schreiben.
Wenn ich in Österreich bin, gibt es immer was anderes zu tun: als Lehrender an diversen Hochschulen, als Dramaturg und Stoff-Entwickler (mit Ursula Wolschlager bei Witcraft), als Gestalter von Print-, Radio- und Fernsehbeiträgen, als Berater hier und Kurator dort, als DJ ab und an. Ich lebe trotz des Wetters noch immer in Wien und benutze zu Fleiß bei jedem Wetter das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel.

Die Geschichte "Kaviar"

Die gebürtige Russin Nadezhda (39) kennt den Oligarchen Sergej bis auf die Unterhosen. Und zwar buch­stäb­lich. Als seine Übersetzerin in Wien kennt sie nicht nur seine Hodenprobleme, sondern auch seine kleinen Schrullen und großen Pläne. Sein jüngster Einfall: eine Luxusvilla auf der Schwedenbrücke. Also macht Nadezhda ihn mit Klaus, dem Traum-Gat­ten ihrer be­sten Freundin, der Ukrainerin Vera (29), bekannt. Der hat die nötigen Verbind­ungen zu zwielichtigen Fi­guren aus Wirtschaft und Politik und verspricht Sergej, den Bau in die Wege zu leiten. Kurz darauf schmeißt Vera Klaus wegen eines Seitensprungs hinaus und sinnt auf Rache. Da kommt Ljubov, Nadezhdas Kinder-Mädchen, die eigent­lich Lukretia heißt und Tiro­lerin ist, ins Spiel: Sie bringt die beiden Freundinnen auf eine Idee, wie man die dreckigen Ge­schäfte auffliegen lassen und dabei tüchtig abkassieren kann. Nicht alles verläuft nach Plan. Immer wieder stehen sich die Frauen mit ihren Spleens und Launen selbst und gegenseitig im Weg. In Kombination aber werden ihre Schwächen zu gefährlichen Waffen.

Julia R. Waldner

Julia R WaldnerKurzbiographie: Das Licht der Welt erblickte Julia auf der wunderschönen Insel Madagaskar. Jedoch schon einige Jahre später hing sie das Dschungelbuch-Leben an den Nagel und tauchte in das Sound of Music-Leben in den osttiroler Bergen ein. Dort hatte Julia auch eine unheimliche Begegnung der dritten Art: den Fernseher.
Dieses Pleasantville-Ereignis machten Filme für sie zu einer 24h Sucht, an der auch das Erwachsenenwerden nichts änderte. Diverse Produktionsjobs führten sie dann endlich auf die ersehnten Filmsets, wo sie sich wie Alice im Wunderland fühlte.

Die Lust ihre eigene Kreativität auszuleben drängte sie schließlich into the Wild der Vancouver Film School, wo sie sich in die Matrix des Drehbuchschreibens stürzte.
Zurück in Wien widmet sie sich nun ihrer Final Fantasy: nämlich dem Schreiben von Drehbüchern.

Julias Geschichte "Walking Down Behördengang"

Die Geschichte handelt von einem Paar, welches unterschiedlicher nicht sein könnte. Er ist ein einfacher Amerikaner, der noch nie außerhalb seines Staates war. Sie ist eine afrikanisch-österreichische Kosmopolitin. Das Ja-Wort wollen sich die Beiden in ihrer Heimatstadt Wien geben und alles ist bereit. Nur mehr ein kurzer Behördengang trennt sie noch vom gemeinsamen Glück.
Aber Denkste. Der kurze Gang wird zur Odyssee durch die Wirren der österreichischen und madegassischen Behörden, nur um einen Beglaubigungsstempel für ihre Geburtsurkunde zu bekommen damit sie endlich heiraten können. Eine Reise bei dem sich beide von einer ganz anderen Seite kennen lernen.

Ludmilla Kiroff / Senad Halilbasic

Ludmilla KiroffLudmilla Kiroff

Kurzbiographie:
Seit meiner Jugend sind Worte mein ganzes Leben. Aufgeschrieben und mit Gleichklang von Ausdruck und Rhythmus haben sie seit immer schon bestimmt wie ich die Welt erlebte. Nachdem ich als Kind die ganze Familie ordentlich genervt hatte, da ich unaufhörlich in Schüttelreimen sprach, war es für alle eine Erleichterung, als ich in der Schule endlich schreiben lernte und meine Gedichtobsession den Heften anvertrauen konnte. Bereits als Volksschülerin in Bulgarien erhielt ich von der Direktion die Sondererlaubnis meine Schulaufsätze über den vorgesehenen Zeitrahmen und in einer mir lieben Länge niederzuschreiben. Meine Lehrer verteilten diese Aufsätze dann als Texte unter Kollegen quer durch Bulgarien. Ich erhielt Briefe von gleichaltrigen Schulkollegen aus dem ganzen Land.

Später reiste ich mit meiner Mutter für längere Zeit nach Algerien. Ich habe mich damals sofort in Afrika, vor allem in die Sahara und ihre sehnsüchtige Leere verliebt.

Mein Studium absolvierte ich an der Fakultät der Journalistik der Sofioter Universität. Ich arbeitete später im Bulgarischen Rundfunk und Fernsehen hauptsächlich hinter der Kamera als Redakteurin in der Kultur- und Auslandsredaktion. Mein Traum Kriegsberichterstatterin zu werden ging damals leider nicht in Erfüllung. Stets getrieben von einem Vernuftspessimismus aber auch Willensoptimismus, blieben mir das Schreiben und die Aufregung bis heute.
2002 veröffentlichte ich mein literarisches Debüt – ein Kurzgeschichtenband „An der Schwelle zur Wüste“.
Seit einigen Jahren ist Wien meine Heimat und der Angelpunkt meiner vielfachen Auslandsreisen. Von Kanada über Usbekistan bis nach Sibirien sind diese Erkundungen eine wichtige Inspirationsquelle für mein Schreiben.

2008 schließlich erschien mein zweites Buch „Das klassische Paradigma“ in Bulgarien. Durch meine stete Beschäftigung mit der Form der Kurzgeschichte war es für mich unausweichlich an den Film zu gelangen. Ist doch eine Short Story oder ein abgegrenzter, greifbarer Moment die Basis eines jeden guten Filmes und damit eines jeden guten Drehbuches.

Senad Halilbasic Senad Halilbasic

Kurzbiographie: Als 13-jähriger steht Senad in der Rolle eines Affen auf der Bühne des Next Liberty und möchte Schauspieler werden. Auf Filmsets merkt er bald, dass die Arbeit des Schauspielers im Warten besteht und beschließt diverse Praktika als Produktionsassistent zu absolvieren, da ihn das schwere Schleppen von Kabeln und HMIs mehr anspricht als das Stundenlange sitzen in der Maske (laut einem orthopädischen Befund aus dem Mai 2010 war dies der Hauptgrund für seine Skoliose. Doch bereuen tut Senad die Entscheidung, am Set aktiv zu arbeiten, keineswegs). Er absolviert neben dem Gymnasium die viersemestrige Film und Medienakademie Graz. Auf die Frage der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, was er in vier Semestern FUM Graz eigentlich gelernt habe, antwortet Senad: „Nur dass Schauspielen langweilig und Regie führen toll ist.“

Inszeniert, schreibt und schneidet daraufhin diverse Kurzfilme und zieht 2008 nach Wien um. Neben dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft und dem regelmäßigen Schreiben von Buch- und Filmkritiken verfasst Senad im Rahmen des Stoffentwicklungsprogramms „Diverse Geschichten“ das Spielfilm-Treatment „Masken“ und wird damit in das BABYLON Programm (Cannes und Rotterdam) aufgenommen. In einer zweiwöchigen Schreibpause im April 2010 reist er nach New York, wo sein erstes Spielfilmdrehbuch „Fatalis“ (R: Simon G. Müller) verfilmt wird.
Zusammen mit Ingo Starz schreibt Senad im Herbst 2010 sein erstes Manuskript für ein Radio-Feature: „Burning Memory – Die zerstörte Nationalbibliothek Sarajevos“ entsteht im Auftrag des WDR und des RBB und wird im Frühjahr 2011 fertiggestellt werden.

Ab Herbst 2010 Forschungspraktikant am Filmarchiv Austria an irgendeinem super-wichtigen internationalen Projekt über Filme und Nazis.

Schreibt momentan zusammen mit Simon G. Müller und Boman Modine eine neues Spielfilm-Drehbuch, welches im Sommer 2011 an der New York Film Academy in Produktion geht.

Die Geschichte "Turbo"

Turbo-Pescho ein hektischer Mitt-40ger, Typ Danny DeVito. Ein Möchtegern Tschalga* Manager, der irgendwann kurz (und fast) ganz oben war und jetzt kaum über die Runden kommt. Pescho trifft auf Emilija, eine junge Frau auf der Flucht. Sie stolpert unabsichtlich in Peschos Büro, direkt in eines seiner erfolglosen „Castings“. Sie kann nicht singen, sie ist nicht einmal blond, aber Turbo Pescho hat keine andere Wahl. Sein eigentlicher Star Sofia ist schwanger und in 4 Wochen „muss“ Pescho nach Österreich. In Wien, der Wahlheimat des neureichen bulgarischen „Businessman“ Avramov findet zu dessen Geburtstag eine wahre Tschalga Gala statt. Dort möchte Turbo Pescho nicht nur sein Comeback feiern, sondern es auch seiner Ex-Freundin, der Tschalga-Sängerin Diana Nirvana zeigen. Schließlich ließ sie ihn seinerzeit fallen, nachdem er sie berühmt machte.

Turbo ist eine turbulente und augenzwinkernde Odyssee quer durch die vielfältigen Kulturen, Mentalitäten und sozialen Schichten, die in den neuen EU Staaten oft und nicht immer reibungslos aneinanderprallen. Turbo ist ein modernes Märchen vom Glück, in dem ein absurder Traum einer handvoll "Helden" in einer absurden Welt absurderweise in Erfüllung geht.

* Die „Tschalga“ wird noch als Popfolk, Turbo Folk oder Etno Pop bezeichnet. Die Chalga ist eine Art Subkultur in den Ländern Bulgarien und Mazedonien, darüber hinaus aber im Raum des ganzen Balkan bekannt. Sie ist eine Kombination von bulgarischen, arabischen, türkischen, griechischen und Roma - Melodien. Zur Chalga tanzt man Kjochek (Bauchtanz). Bis zu der Wende (1989) war die Chalga in Bulgarien verboten, da sie nicht dem sozialistischen Ideal entsprach.
Nach der Wende 89' entwickelt sich Chlaga als vulgäres Techno-Popfolk-Genre (Stichwort; Titty-Tainment) zu einem nationalen bulgarischen Massenphänomen, das immer mehr Fans anzieht. In etwa zu vergleichen mit dem Markt der „volkstümlichen Musik“ (DJ Ötzi, oÄ) in Österreich und Deutschland.

Tereza Kotyk

Tereza KotykKurzbiographie: Tereza Kotyk wurde in die Stadt Prag geboren, fand sich jedoch im Spätsommer 1980, nach einer Flucht durch zwei weitere Länder, mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Niederösterreich wieder, das sie bald Richtung Wien, als neue Heimat, verließen. Den Gegenwind einer Flucht jedoch bereits eingeatmet und seit dem Volksschulalter immer mit einer Fotokamera ausgerüstet, verließ sie noch während des Studiums der Kunst (Bildende Kunst), Kunstgeschichte und Medienwissenschaft (Kamera) Wien, um in Dijon und schließlich in Innsbruck zu studieren. Dort arbeitete sie als Kuratorin für die Galerie im Taxispalais in Innsbruck und Achtung Kunst in Schwaz, um dann wieder gegen Westen, an das Cornerhouse in Manchester, UK, zu flüchten. Die Leidenschaft zu Bildern und zum Film brach aber nie ab. Sie absolvierte zusätzlich eine Schauspielausbildung in London, Manchester, Wien und Innsbruck und lebt und arbeitet derzeit als Künstlerin, Kulturproduzentin und Autorin in Innsbruck und UK. Ihr Büro hat sie zu einem eigenen Kunstraum verwandelt: The Soap Room.

Tereza Kotyk entwickelt derzeit Drehbücher für Home is Here (ausgewählt durch Diverse Geschichten / Witcraft Szenario, Wien; Babylon, London; Filmfonds Wien) und Stille Tränen (Silent Tears)*, ein Buch- und Spielfilmprojekt, in Zusammenarbeit mit Wildruf Medienkollektiv, Volders, Österreich. Ein weiteres Filmprojekt, Salon Adele, ist in Vorbereitung. Darüberhinaus geht soeben ihre Ausstellung Personal Tempest für UH Galleries Hatfield und Museum von St. Albans, UK, zu Ende, die mit einer  Performance von FROST, in einer Bearbeitung von Sabine Mitterecker und mit Andreas Patton in der Hauptrolle, in Innsbruck begleitet wurde.

*Silent Tears erzählt die Flucht aus der ehemaligen Tschechoslowakei in den Westen und wirft Fragen über innere Flucht, Liebe, Sprache, Identität und Heimat vor und nach 1989, auf.

Terezas Geschichte "Home is Here"

Nach einer gescheiterten Beziehung ist Hannah wieder in ihr Zimmer in der elterlichen Wohnung im Olympischen Dorf in Innsbruck gezogen und teilt sich nun die Wohnung mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder. Vor vielen Jahren sind sie aus der ehemaligen Tschechoslowakei in den Westen geflohen. Max lebt allein in einem neu gebauten Haus in Hall in Tirol. Als Finanzexperte einer angesehenen Lebensmittelfirma entspricht seine tägliche Arbeit seinem persönlichen Ordnungsdrang und seinen pedantischen Vorlieben, die sich auch in seinen täglichen, exzessiven Sportrunden wiederspiegeln.

Eines Tages entdeckt Hannah das Haus von Max und ist sofort von diesem Glashaus in Bann geschlagen. Sie bricht ein und findet sich in einer Vorstellung ihrer eigenen Träume wieder. Über einen längeren Zeitraum steigt sie in das Haus, erforscht heimlich alle Räume und die Persönlichkeit seines einsamen und pedantischen Eigentümers. In einigen versteckten Schachteln findet sie Briefe und Objekte einer Frau – Marie – die vor einiger Zeit Max's Freundin gewesen ist. Hannah bedient sich Marie’s Rolle und so entwickelt sich langsam ein zartes Spiel zwischen Hannah und Max: beide tun so, als ob es noch diese Frau in seinem Leben gäbe. Max verliert fortan die Kontrolle über sein emotionales Leben und beginnt sich wieder zu öffnen. Mit Paula, seiner Assistentin in der Firma, verbringt er schließlich eine gemeinsame Nacht in seinem Haus, was zu einem morgendlichen Treffen zwischen Paula und Hannah führt:

Hannah fühlt sich in ihrer Überzeugung bestätigt, dass Max nun sein ‚Zuhause‘ gefunden hat, realisiert jedoch genau im selben Moment ihren persönlichen Begriff von ‚Heimat‘.  Sie verlässt für immer das Haus, aber nicht ohne Max zu beweisen, dass sie endlich das gefunden hat, wonach sie gesucht hat…

Umut Dag /  Petra Ladinigg

Umut DagUmut Dag

Kurzbiographie: Umut wuchs als ältestes Kind einer kurdischen Einwandererfamilie in Wien Brigittenau auf. Nach der Vienna Business School hat er zunächst Internationale Entwicklung, Religionswissenschaften und Pädagogik begonnen zu studieren. Mit der Zeit konzentrierte er sich immer mehr auf seine Kurzfilme und arbeitete schließlich zeitgleich in der österreichischen Spiel- und Werbefilmlandschaft, wo er bei vielen Filmen wie zB „Die Fälscher“, „Ein Augenblick Freiheit“, „Der schwarze Löwe“, „Freundschaft“ etc... und über 50 Werbefilmen mitarbeitete. Seit 2006 studiert er Regie auf der Filmakademie Wien bei Peter Patzak und Michael Haneke. 2011 gewann sein Film „Papa“ den First Steps Award für den besten mittellangen Film.

Petra LadiniggPetra Ladinigg


Kurzbiographie: Geboren während einem ordentlichen Gewitter am 3. Mai 1984 in Klagenfurt, aber aufgewachsen, zur Schule gegangen und aufgeschlagene Knie wie auch gebrochene Herzen erlitten in Villach. Eine Kurzgeschichte veröffentlicht, mit einer anderen den Bachmannpreis (Junior natürlich) gewonnen.
HAK-Matura 2003, mit ausgezeichnetem Erfolg.
Zu Studienzwecken nach Wien – lebt heute mal hier, mal da und oft dazwischendrin. Fazit:
* drei Hauptfächer an der Uni (Buch und Dramaturgie, vergleichende Literaturwissenschaften, English and American Studies)
* eine Regieübung
* ein BA mit Auszeichnung in Buch und Dramaturgie 2008
* zwei veröffentlichte Kurzgeschichten
* ein LiterarMechana-Studium
* 3. Semester als Tutorin für Cultural Studies an der Anglistik/Amerikanistik
* Redaktionsmitglied der Cheerful Times (Zeitung der Studienvertretung Anglistik/Amerikanistik)
* das Produkt eines verfilmten 90-Minuten-Drehbuchs gerade im Schnitt
Ist klein, aber laut, mit ständig ändernder Haarfarbe. Zwei Ohrringe in jedem Ohr. Schokoholic. Schreibt (künstlerisch, akademisch, essayistisch), liest unmäßig, zeichnet, malt und kritzelt, sieht zu viel fern und würde gern noch mehr Zeit im Kino verbringen. Schätzt Museen, Theater und Buchhandlungen und das Unterwegssein an sich.

Die Geschichte „Dieses Weihnachten“:

Gülsüm ist ein kleines Mädchen mit einem Problem. Sie ist sechs Jahre alt, Erstklässlerin und sie ist verliebt. Zum allerersten Mal. Und zwar in Weihnachten. Ihr Problem ist: Ihre Eltern sind aus der Türkei und haben mit Weihnachten gar nichts am Hut. Ihr Papa sagt, Wir sind Kurden – wir feiern das nicht. Ihre Geschwister Nurgül und Hüsseyin haben andere Sorgen – Nurgül hat Liebeskummer, wegen ihrem Ex-Freund Erkan, von dem die Eltern nichts wissen dürfen, und Hüsseyin hat Trouble in der Schule. Da bleibt Gülsüm nur Eigeninitiative – sie will ein Weihnachten, ganz so, wie es ihr bester Freund Berni, auch sechs Jahre alt, beschrieben hat: mit Krisbaum und Keksen und vor allem mit ihrer ganzen Familie. Also arbeitet und bastelt sie daraufhin, besonders in der Hoffnung, dass dieses Weihnachten ihren großen Brunder Emin nachhause bringt, den ihr Papa vor die Tür gesetzt hat...