Biographien | Story-Outlines

 

Saison I (2009/2010)

Ana Bilic 

ana_bilic_mmKurzbiographie: Zwei Sachen konnte ich in meinem Leben immer wieder erleben: Aufenthaltsänderung alle 7 Jahre, und im selben Rhythmus auch das Kennenlernen einer neuen Welt - als ob eine neue Wohnung stets die Tür zum neuen Wunderland gewesen wäre. Die ersten 7 Jahre – Zagreb, 1. Wohnung meiner Eltern, meine besten Hula Hoop Kunststücke und Singperformances für Puppen; die nächsten 7 Jahre – eine Kleinstadt in der Nähe von Zagreb, eine größere Wohnung und: „Die spinnen! Die Erwachsenen…“; weitere 7 Jahre – eine andere Kleinstadt in der Nähe von Zagreb, die größte Wohnung meines Lebens, und: „Ich heirate nie...“

Logisch, dass ich mit 28 (also 7x4) geheiratet habe, zu meinem Gatten umgezogen bin und angefangen habe - Literatur zu schreiben. Mein Vater, in dessen Anwaltskanzlei ich gearbeitet habe, hat mir gesagt: „Interessant was du da schreibst! Menschen und Wühlmäuse. Wo hast du bloß die Inspiration her?...“

Als ich nach weiteren 7 Jahren den Vertrag für 2 Bücher unterschrieben habe, war ich schon sesshaft in einer anderen Welt – in Wien. Die Tür zu dieser Welt war die coolste, die ich bisher passieren durfte – durch und durch eine sprachliche Pforte. Da ich schon beschlossen hatte mit dem geschriebenen Wort mein täglich Brot zu verdienen, habe ich mich auf die Herausforderung des fremden Wortes besonders gefreut. Was mir natürlich niemand geglaubt hat. 7 Jahre danach habe ich mich umgeschaut wo ich stehe: mit einem veröffentlichen Roman bei Hoffmann und Campe, selbstverständlich in einer neuen Wohnung,  und mit einem kämpferischen Slogan zu den nächsten 7 Jahren: „Na kommt! Nur zu…“. – Nächstes Jahr endet ein weiterer 7-Jahreszyklus und in der Zwischenzeit bin ich klüger geworden und den Sachen zuvorgekommen: ich habe die Wohnung schon gewechselt und bin in eine neue Welt freiwillig gerutscht - dort ist im Entstehen ein experimenteller Kurzfilm „Home sweet Home“.  Den Bericht für nächstes Jahr habe ich schon parat: 6 Theaterstücke und die Teilnahme am Drehbuchworkshop „Diverse Geschichten“ von Witcraft Scenario Wien. Welche „Geschichte“? Langspielfilm-Treatment „Prater“ (Arbeitstitel) – eine Komödie. Mit dem Thema: Begegnung zweier Welten. Was sonst?
Mehr: www.ana-bilic.at

Ana Bilic’ Geschichte „Prater“ (Arbeitstitel)

Liebe zwischen einer älteren Frau aus den besseren Kreisen und einem jungen Macho Bosnier.  

Frau Zuckermeier, eine ältere Österreicherin, trifft während sie ihren Rassendalmatinerin Briska gassi führt auf Haris Begovic zu, einen jungen Bosnier, der auch seinen Mischlingshund Walter ausführt. Es kommt zur unbeabsichtigten Hundepaarung und Frau Zuckermeier verlangt eine Entschädigung für den unrassigen Wurf. Als Absicherung nimmt sie Haris seine Kamera weg. Haris ist empört aber kann nicht viel gegen die laute„Verrückte“ tun, er muss zusehen, wie sie mit seiner Kamera verschwindet. Aber er lässt sich auch nicht so leicht erpressen – besonders weil er zurzeit Geld braucht – er hat keinen neuen Job gekriegt wie geplant und seine Geburtstagfeier im großen Freundeskreis längst angekündigt. Eine Feier abzusagen ist für Haris eine Sache der Ehre. Darum droht er Frau Zuckermeier, sie bei der Polizei wegen des Diebstahles anzuzeigen, falls sie ihm keine entsprechende Geldentschädigung für Kamera zahlt.

Umut Dag

umut_dagKurzbiographie: Umut wuchs als ältestes Kind einer kurdischen Einwandererfamilie in Wien Brigittenau auf. Nach der Vienna Business School hat er zunächst Internationale Entwicklung, Religionswissenschaften und Pädagogik begonnen zu studieren. Mit der Zeit konzentrierte er sich immer mehr auf seine Kurzfilme und arbeitete schließlich zeitgleich in der österreichischen Spiel- und Werbefilmlandschaft, wo er bei vielen Filmen wie zB „Die Fälscher“, „Ein Augenblick Freiheit“, „Der schwarze Löwe“, „Freundschaft“ etc... und über 50 Werbefilmen mitarbeitete. Seit 2006 studiert er Regie auf der Filmakademie Wien bei Peter Patzak und Michael Haneke. 2011 gewann sein Film „Papa“ den First Steps Award für den besten mittellangen Film.

Umut Dags Geschichte "Aqil"

Aqil ist die Geschichte eines Jungen der in Wien unter widrigen Umständen aufwächst. Auf dem Weg zum Erwachsen werden fühlt sich sein Leben an wie eine Lokomotive die stets den Berg hinab rast und jede Weiche, die gleichbedeutend mit der Hoffnung auf ein besseres Leben wäre, verpasst. Erst am Rande eines psychischen Zusammenbruchs aufgrund übermäßigem Drogenkonsums und mit der Geburt seines ersten Kindes versucht er sein Leben zu ändern und eine Perspektive zu finden.

Jasmina Eleta

jasmina_eleta_mmKurzbiographie: Ich verdanke meine Geburt nicht allein der Anziehungskraft einer Flamenco-Gitarre. Doch die Idee, sich in der Schweiz das Geld für ein solches Instrument zu verdienen, führte meinen Vater aus Bosnien ins Kantonsspital Zürich, wo er erst Arbeit als Hilfspfleger und dann eine Frau fand. Drei flamencoreiche Jahrzehnte später bin ich den Weg wieder ein Stück zurückgegangen und lebe nun dort, wo die deutschsprachige Welt und der Balkan aneinander grenzen und sich vermischen. In Wien fand ich nach meinem Studium auf der Hochschule der Künste Zürich nicht nur die Möglichkeit, meine Möbelstoff-Entwürfe zu verkaufen, sondern auch Unterstützung im Erlernen der  Entwicklung einer anderen Art von Stoffen: seit 2004 studiere ich auf der Filmakademie Wien Regie und Drehbuch.
Nach Realisierung mehrerer Kurzfilme habe ich in der Saison 2008/2009 für die Wiener Wortstätten ein erstes kurzes Theaterstück geschrieben („GUTE BESSERUNG“), welches bald auch in filmischer Form realisiert wird. 2009 entstand mit Unterstützung des ScriptLAB-Stoffentwicklungsprogramms des Drehbuchforums Wien mein erstes Langspielfilm-Treatment („FREIE BAHN“). Darauf folgten 2010 die Teilnahme am „BABYLON EUROPE WORKSHOP“ in Rotterdam und Cannes und am Stoffentwicklungsprogramm „DIVERSE GESCHICHTEN“ von Witcraft Scenario, Wien, wo das Langspielfilm-Projekt „ANA´S GESCHICHTE“ (Arbeitstitel) seinen Anfang nahm. 2010 habe ich mich über den Thomas-Pluch-Förderpreis für das Drehbuch zu meinem Kurzfilm „FERN & NAH“ gefreut.

Mich fasziniert am filmischen Erzählen die Möglichkeit, Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen Menschen teilen zu können. Gute Geschichten erweitern unseren Blickwinkel auf die Welt nicht nur im Kinosaal, sondern auch in der Auseinandersetzung, die beim Schreiben stattfindet.

FERN & NAH
Kurzfilm, 35 min (2010)
Buch & Regie: Jasmina Eleta

Synopsis:
Amrik Singh schlägt sich in Wien als Zeitungszusteller durch. Mit der Nachricht vom Tod seiner Mutter in Indien beginnt für ihn eine Kette von Rückschlägen. Der harte Kampf, in Europa Fuss zu fassen, scheint verloren.
Amriks Arbeitgeber Gerhard Haschka lässt seine Mutter von einer slowakischen Pflegerin betreuen. Bis zu Frau Haschkas Tod entsteht eine Nähe zwischen den beiden Frauen, zu der Gerhard nicht fähig ist.

Jasmina Eletas Geschichte "Freie Bahn / European Lovestory"

DARDAN (31) hat sein Medizinstudium vor Jahren abgebrochen und arbeitet stattdessen mit seinem Bruder AGRON (29) für den Unterhalt ihrer Familie im Kosovo. Irritiert  spürt Dardan, wie ihn die Kraft für seinen Alltag zunehmend verlässt. INGRID (35) hat die Dekorationsabteilung des erfolgreichen Luxus-Caterings aufgebaut, dessen Inhaber WOLFGANG (59) ihr Liebhaber und grosses Vorbild ist. Als sie von einer Rivalin erfährt, kommt zum Konflikt über Wolfgangs erotische Unverbindlichkeit noch Ingrids Angst, bei einem Firmenverkauf übergangen zu werden. Zudem fürchtet sie, ihren Sohn MICHAEL (4) zu sehr an die neue Familie ihres Ex-Mannes DANIEL (40) zu verlieren.
Als Dardan und Ingrid sich bei der Arbeit für König Catering kennenlernen, wollen sie sich ihr Interesse füreinander zunächst nicht eingestehen. Dardan irritiert, dass Ingrid ihre junge Familie zerbrechen liess, um ihre beruflichen Träume mit einem viel zu alten Liebhaber zu realisieren. Ingrid befremdet es, wie sehr Dardan seine persönlichen Interessen zugunsten seiner Familie verleugnet. Als sie ihre familiären Sorgen miteinander teilen, kommen sie sich näher. Sie entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten und verlieben sich. Ingrid findet bei Dardan die Wärme und Verbindlichkeit, die sie bei Wolfgang vermisst hat. Für Dardan wird das neue Glück zur Flucht vor der wachsenden Verzweiflung und Müdigkeit, die seine selbstauferlegten Pflichten in ihm verursachen. Er verheimlicht Ingrid erst die Abschiebung seines Bruders Agron und dann die nicht bewilligte Verlängerung seines Visums. Ein Missverständnis, durch das Dardan in heftige Eifersucht auf Wolfgang gerät, und ein Besuch bei Ingrids Familie, der in einem Desaster endet, eskalieren zu einem grossen Streit, bei dem Dardan und Ingrid ihre kulturellen Unterschiede auf einmal unüberwindlich scheinen.
Aus Verzweiflung über den drohenden Verlust Ingrids geht Dardan ohne Erklärung zurück in den Kosovo, wo er beleidigt feststellt, dass niemand über seine Aufopferung glücklich ist. In einer schmerzhaften Auseinandersetzung mit Agron erkennt er, wie sehr seine Schuldgefühle, als ältester Bruder nicht wie Agron im Krieg gekämpft zu haben, ihn von sich selbst und Agron entfremdet haben. Während Dardan aus Schmerz die Rolle ihres ermordeten Vaters übernommen und an dessen politischen Ideen festgehalten hat, musste Agron allein mit seinen traumatisierenden Kriegserfahrungen fertig werden. Auch Ingrid ist unglücklich. Bei einer Aussprache mit Daniels neuer Frau wird ihr bewusst, wie sehr ihre Fixierung auf Wolfgang zum Scheitern ihrer Ehe und den Konflikten um Michaels Betreuung beigetragen hat. Als Wolfgang seine Pläne öffentlich macht, einen Teil der Firma zu verkaufen, kommt es zu einem heftigen Konflikt über Ingrids Beteiligung. Ingrid erkennt schmerzhaft, dass Wolfgang nie ein Interesse an der Nähe hatte, die sie bei ihm über die gemeinsame Arbeit gesucht hat.
Nach dem Abklingen ihrer Wut über Dardans Verschwinden beginnt sie, nach ihm zu forschen. Sie erfährt nicht nur von seinem Ausreisebefehl, sondern auch von seiner Weigerung, auf das Heiratsangebot einer kosovarischen Freundin einzugehen, die die österreichische Staatsbürgerschaft hat. Erst jetzt wird Ingrid das Ausmass von Dardans Situation klar, in der eine Heirat vermutlich die einzige Lösung für ihre Beziehung wäre. Kurzentschlossen reist sie in den Kosovo und besucht Dardan, um einen neuen Anfang zu machen.

Senad Halilbasic

Senad Halilbasic
Kurzbiographie: Als 13-jähriger steht Senad in der Rolle eines Affen auf der Bühne des Next Liberty und möchte Schauspieler werden. Auf Filmsets merkt er bald, dass die Arbeit des Schauspielers im Warten besteht und beschließt diverse Praktika als Produktionsassistent zu absolvieren, da ihn das schwere Schleppen von Kabeln und HMIs mehr anspricht als das Stundenlange sitzen in der Maske (laut einem orthopädischen Befund aus dem Mai 2010 war dies der Hauptgrund für seine Skoliose. Doch bereuen tut Senad die Entscheidung, am Set aktiv zu arbeiten, keineswegs). Er absolviert neben dem Gymnasium die viersemestrige Film und Medienakademie Graz. Auf die Frage der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, was er in vier Semestern FUM Graz eigentlich gelernt habe, antwortet Senad: „Nur dass Schauspielen langweilig und Regie führen toll ist.“

Inszeniert, schreibt und schneidet daraufhin diverse Kurzfilme und zieht 2008 nach Wien um. Neben dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft und dem regelmäßigen Schreiben von Buch- und Filmkritiken verfasst Senad im Rahmen des Stoffentwicklungsprogramms „Diverse Geschichten“ das Spielfilm-Treatment „Masken“ und wird damit in das BABYLON Programm (Cannes und Rotterdam) aufgenommen. In einer zweiwöchigen Schreibpause im April 2010 reist er nach New York, wo sein erstes Spielfilmdrehbuch „Fatalis“ (R: Simon G. Müller) verfilmt wird.
Zusammen mit Ingo Starz schreibt Senad im Herbst 2010 sein erstes Manuskript für ein Radio-Feature: „Burning Memory – Die zerstörte Nationalbibliothek Sarajevos“ entsteht im Auftrag des WDR und des RBB und wird im Frühjahr 2011 fertiggestellt werden.

Ab Herbst 2010 Forschungspraktikant am Filmarchiv Austria an irgendeinem super-wichtigen internationalen Projekt über Filme und Nazis.

Schreibt momentan zusammen mit Simon G. Müller und Boman Modine eine neues Spielfilm-Drehbuch, welches im Sommer 2011 an der New York Film Academy in Produktion geht.

Senad Halilbasic' Geschichte "Masken"

„Masken“ erzählt die Geschichte von Alen, einem 15-jährigen Bosnier, der mit seiner Familie in Österreich lebt. Alens Vater forciert die Fußballkarriere seines Sohnes während dieser seine wahre Leidenschaft geheim hält: Er möchte Schauspieler werden.
Das Leben nimmt einen Wendepunkt als Alen Viktor, einen älternden Hippie und Theaterpädagogen, kennenlernt und in eine Straßentheatergruppe hineinrutscht, deren öffentlichen Aktionen oft die Grenzen des Legalen überschreiten.
In dieser Coming-Of-Age-Geschichte beginnt Alen sich selbst zu entdecken und muss sich bald zwischen zwei Weltanschauungen entscheiden.
 
 

Vedran Kos

Vedran KosKurzbiographie: Vedran Kos wurde 1984 in Zagreb geboren. 1991 zieht er nach Banja Luka (Bosnien) um und beginnt dort mit der Schule. Sobald er zu lesen und schreiben lernt, fängt er an Gedichte und Geschichten über Fabelwesen zu schreiben. Zum ersten Mal spricht er den Berufswunsch Schriftsteller aus.

1992 kommt er nach Wien in den 3. Bezirk, wo er heute noch lebt. Nach der Volksschule kommt er aufs Realgymnasium, wo es ihn aber durchwirbelt. Er verschweigt seinen Eltern das Wiederholen der 2. Klasse indem er das Zeugnis fälscht. Als das rauskommt, muss er auf eine Hauptschule wechseln. In diesen Jahren lässt der Wunsch zu schreiben nach, verlässt ihn aber nie ganz. Nach der Hauptschule kommt er auf eine Handelsschule, wo er sein erstes Drehbuch schreibt - das er auch verfilmt - und organisiert ein schulinternes Filmfestival. Während dieser Zeit erfährt er von der Filmakademie Wien. Obwohl für ihn feststeht, dass er nach dem Abschluss dort studieren will, wird er sich aus Feigheit erst 5 Jahre später bewerben.
2004 leistet er seinen Präsenzdienst und meldet sich freiwillig zu einem Auslandseinsatz. Nach den Strapazen der Ausbildung (er erfährt wie schnell Faschismus in eine Gruppe einkehrt) schmeißt er die Militärlaufbahn hin und arbeitet in der Gastronomie.

Irgendwo zwischen Speisen servieren und freundlich lächeln gewinnt er den Poetry Slam am Alsergrundtheater und verdient seine ersten 150 Euro als Schriftsteller, von denen er aber gleich um 50 Euro alle auf eine Runde einlädt. Nach 3 Jahren als Pizzazusteller und Kellner fühlt er einen Stillstand in seiner Entwicklung und entschließt sich seinen Ur-Wünschen zu folgen.

Im Februar 2007 beginnt er mit dem Filmcollege – einer privaten Filmschule – ehe er nach 3 Semestern auf die Filmakademie wechslet, wo er derzeit Drehbuch und Dramaturgie bei Walter Wippersberg studiert. 2009 erhält er für das Buch „Bogdan geht in die Welt hinaus“ den Preis für das beste noch nicht verfilmte Drehbuch beim Filmakademiefestival und nimmt 2010 mit demselben am Stoffentwicklungsprogramm „Diverse Geschichten“ und „Babylon“ in Rotterdam und Cannes teil.

Vedran Kos' Geschichte "Bogdan geht in die Welt hinaus"

Über Fußball, Familie, den Zerfall Jugoslawiens und den Schmerz einer Generation.

Jugoslawien, Frühling 1991. Slowenien und Kroatien halten ein Referendum, in welchem sich 95 % der Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Jugoslawien aussprechen. In Borovo Selo, nahe Vukovar, schießen Kroaten und Serben aufeinander mit tödlichem Ausgang. In allen Staaten Jugoslawiens erwacht der Nationalismus. Es mangelt an Strom, Wasser, Benzin, Tabak. Krieg liegt in der Luft. Roter Stern Belgrad zieht ins Meistercupfinale ein.

Bogdan – sieben Jahre jung – lebt mit seiner Mutter, seiner Tante, seinen Cousinen und seinem Großvater – einem alten, feurigen Partisanenkämpfer und überzeugten Kommunisten – in einem kleinen Dorf in Bosnien. Bogdan liebt seinen Opa, der ihn zu seinem kleinen Partisanen und Titoliebhaber erzogen hat.

Über einen batteriebetriebenen Fernseher sieht Bogdan den Einzug Roter Sterns ins Finale. Eines steht fest: das Finale muss gesehen werden. Doch eine Verkettung innerfamiliärer Unstimmigkeiten, in denen Bogdan immer auf den Deckel kriegt, führt ihn am Finaltag zu einer verzweifelten Entscheidung. Als die Erwachsenen ihm seinen Fernseher wegnehmen um Nachrichten zu schauen, reißt Bogdan im Jähzorn von zu Hause aus. Ziel: das Kaffeehaus seines Onkels in der Stadt, wo das Finale im Fernsehen übertragen wird.
Mit einem Bus kommt Bogdan in der Stadt an, aber die Suche nach seinem Onkel entpuppt sich als schwieriger als erwartet. Bogdan irrt herum, befragt planlos Menschen nach seinem Onkel, wird ignoriert und landet in einer Demonstration zwischen kroatischen Unabhängigkeitsbefürwortern und serbischen Oppositionellen.

Inzwischen kriegt die Mutter Bogdans Aktion mit. Zusammen mit dem Opa begibt sie sich auf dem Traktor in die Stadt.
In der Stadt eskaliert die Demonstration. Tränengas, Wasserwerfer, Schusswaffen werden eingesetzt. Panik bricht aus. Auf seiner Flucht in die Sicherheit trifft Bogdan auf verschiedene Fanatiker verschiedener Religionen und Nationalitäten und begreift Schritt für Schritt, dass es das Jugoslawien, welches sein Opa ihm geprädigt hat, nicht mehr gibt.

Mama und Opa kommen in der Stadt an und finden Bogdan. Als der Opa von einer herumirrenden Kugel aus der Demonstration getroffen wird und im sterben liegt sagt Bogdan zu ihm:„Du hast mich angelogen Opa, es gibt kein Jugoslawien.“ Der Opa stirbt und damit auch ein Stück kindlicher Unschuld in Bogdan.

Sedat Pero

Sedat Pero



 

 

Catalina Molina

cata_m-1 Den Grundstein meiner Existenz legten zwei ineinander verliebte Studenten im postdiktatorischen Buenos Aires der 80er Jahre. Ein Unfall, 9 Monate und ein Kaiserschnitt später erblickte ich das diffuse Licht dieser Welt. Nach fünf Jahren und dem gleichzeitigen Beginn der neoliberalen Menem-Ära verschlug es meine Eltern aus verschiedenen Gründen nach Österreich, wo wir in ein kleines steirisches Dorf, umgeben von Bergen und Wäldern zogen und ich eine unbeschwerte, zwischen Tango Nuevo und Ka Hiatamadl schwenkende Kindheit genießen durfte. Heute lebe und arbeite ich in Wien und finde immer weniger Antwort auf die stets fallende Frage, ob ich mich mehr argentinisch oder mehr österreichisch fühle (A Kaiserschmarrn mit Dulce Le Leche?).

Zurzeit studiere ich unter Michael Haneke Regie an der Filmakademie Wien. Mein Bachelor-Film "Talleres Clandestinos" wurde zu mehreren internationalen Festivals eingeladen und wurde auch für den europäischen Filmpreis nominiert.
Mein letzter Film  „Talleres Clandestinos“  war meine Bachelorarbeit an der Wiener Filmakademie, wo ich Regie bei Michael Haneke studiere. Er war nominiert für den europäischen Filmpreis und gewann mehrere Preise auf internationales Filmfestivals.

Catalina Molinas Geschichte "Córdoba 1978"

Mit dem Projekt „Córdoba 1978“ möchte ich eine Brücke zwischen meinem Geburtsland und meiner Heimat spannen und die Geschichte von dem Österreicher Emil erzählen, der sich während des legendären Fußballmatchs in Córdoba in eine argentinische Frau verliebt, sie aber bald darauf aus den Augen verliert. Jahrzehnte später meldet sich bei ihm ihr Sohn Nahuel, ein junger Argentinier, der ihm erzählt, seine Mutter sei Anhängerin der linken Guerilla gewesen und unmittelbar nach der Begegnung mit Emil unter der gerade vorherrschenden Diktatur verschwunden.

Ist Emil der Vater von Nahuel? Wer war diese Frau eigentlich? Emil macht sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit und findet sich bald in einer brutalen Parallelgeschichte von WM und Diktatur wieder. Was steckt hinter der kollektiven Erinnerung des  „Wunders von Córdoba“ noch verborgen?

 

 

Laszlo Vancsa

Nähere Infos folgen.